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Psychische Behinderung Anders als körperliche Behinderungsarten ist die psychische oder seelische Behinderung nicht so klar zu definieren. Während Körperbehinderte durch Mobilitätseinschränkungen Schwierigkeiten im physischen Raum haben, fällt psychisch Behinderten vor allem die Anpassung im sozialen Umfeld schwer. Ihre Behinderung ist nicht sichtbar, aber für die Umwelt spürbar, nämlich durch Probleme im zwischenmenschlichen Bereich. Das Erleben und Handeln der Betroffenen ist durch Störungen der Wahrnehmung, des Fühlens, des Denkens, des Wollens und der Erlebnisverarbeitung verändert. Muster eines solchen "Anderssein" finden sich in der einen oder anderen Form und in unterschiedlich starker Ausprägung bei jedem Menschen. Problematisch werden sie erst dann, wenn sie sich bis hin zu einem Krankheitsbild verfestigen. Die Grenzen zwischen "Normalität" und psychischer Krankheit, deren Ursache oft auch unbekannt ist, sind daher fließend. Psychische Behinderungen dürfen nicht mit einer geistigen Behinderung verwechselt werden, unter der man vor allem intellektuelle Defizite oder Einschränkungen auf dem Hintergrund einer organischen Schädigung des Gehirns versteht. Der Umfang psychischer Erkrankungen, die seit Jahren zunehmen, wird daran deutlich, daß sich allein in Deutschland jährlich 6 Mio. Menschen wegen psychischer Probleme in ärztliche Behandlung begeben. Stationär in Kliniken werden etwa 200.000 aufgenommen. Zwei grundlegende Krankheitsformen sind zu unterscheiden: Neurosen und Psychosen. Neurose ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche psychische Auffälligkeiten und Erkrankungen. Eine entscheidende Rolle bei Neurosen spielt dabei die Angst. Einerseits ist Angst ein wichtiges Signal beispielsweise bei Risiken und Gefahren. Andererseits kann übermäßige Angst die natürliche Entwicklung blockieren. Zu den wichtigsten Krankheitsbildern gehören bestimmte Zwänge, Phobien (Ängste), Depressionen, Abhängigkeit und Sucht. Die schwerere Form der psychischen Erkrankung ist die Psychose, die den Oberbegriff einer Reihe von Krankheitsbildern wie Schizophrenie, endogene Depression und manisch-depressive Erkrankung bildet. Im akuten Stadium der Erkrankung sind die psychischen Funktionen (Denken, Fühlen, Handeln, Wahrnehmung, Orientierung) erheblich beeinträchtigt. Ein wesentliches Kennzeichen ist ihr phasenhafter Verlauf. Relativ gesunde Lebensabschnitte können abrupt oder schleichend durch Phasen akuter Krankheit unterbrochen werden. Im Gegensatz zu Körperbehinderten, bei denen es zum Ausgleich ihrer Behinderung vor allem auf technische Arbeitshilfen ankommt, spielen persönliche Hilfen und eine überschaubare Arbeitsorganisation im Arbeitsleben psychisch Behinderter eine entscheidende Rolle. Beeinträchtigungen bestimmter Funktionen wie Antrieb, Konzentration, Belastbarkeit - auch als Folge einer medikamentösen Behandlung - kann durch klare und übersichtliche Gestaltung des zwischenmenschlichen Bereiches, der Verantwortlichkeit am Arbeitsplatz und der Arbeitsorganisation begegnet werden. Damit können insbesondere die Schwierigkeiten im Leistungs- und Kommunikationsbereich deutlich gemindert werden. Hierzu gehören vor allem Kenntnisse der Anforderungen am Arbeitsplatz und der Fähigkeiten des Betroffenen. Ein "Schonklima der Überfürsorglichkeit" kann sich ebenso schädlich auswirken wie eine Überforderung. Für die Schwerbehindertenvertretung ist wichtig, daß sie sich diese Kenntnisse aneignet und vermittelnd und aufklärend gegenüber Vorgesetzten und Kollegen tätig wird. Wenn sie nicht selbst die Vertrauensperson sein kann, sollte sie sich darum bemühen, daß eine zentrale Bezugsperson im Betrieb vorhanden ist, die gerade der psychisch Behinderte benötigt und der er vertraut. Hilfe zur Eingliederung in das Arbeitsleben und bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz bieten auch Berufsbegleitende Dienste, die im Auftrag der Hauptfürsorgestelle arbeiten und Menschen mit einer psychischen Behinderung beraten und betreuen. |
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