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Sehbehinderung

Als blind gilt derjenige, dem das Augenlicht vollständig fehlt oder dessen Sehschärfe auf weniger als 1/50 der Norm herabgesetzt ist. Trotz eines geringen Sehrestes kann Blindheit vorliegen. Als hochgradig sehbehindert werden die Menschen bezeichnet, deren Sehschärfe auf 1/20 bis 1/50 der Norm herabgesetzt ist.

In Deutschland gibt es ca. 155.000 Blinde und ca. 500.000 stark sehbehinderte Menschen.

Für die berufliche Situation ist entscheidend, ob diese Behinderung von Geburt an vorliegt oder erst im späteren Leben eintritt. Die Geburtsblinden und Früherblindeten müssen sich von Beginn ihres Lebens an auf das fehlende Sehvermögen einstellen. Sie erlernen die Blindenschrift, werden in ihrer Mobilität trainiert und frühzeitig im Umgang mit entsprechenden modernen Technologien geschult.

Für Späterblindete ist der Verlust der Sehkraft ein tiefgreifender Einschnitt im Leben. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Erblindung plötzlich eintritt. Aber auch der sich über einen längeren Zeitraum entwickelnde Verlust des Sehvermögens - etwa infolge eines Diabetes - bedeutet eine Veränderung der gewohnten Lebensbezüge und häufig auch eine Aufgabe des bisher ausgeübten Berufes. Mit zunehmendem Alter fällt es schwerer, Blindenschrift zu erlernen und die Mobilität zu erhalten.

Viele Untersuchungen belegen die großen Schwierigkeiten bei der beruflichen Integration von Blinden. Das fehlende Sehvermögen bedingt eine starke Abhängigkeit von der Hilfe anderer. Wie bei kaum einer anderen Behinderung sind viele Tätigkeiten von vornherein ausgeschlossen. Klassische Arbeitsplätze im handwerklichen Bereich, wie etwa der des Korbflechters oder Bürstenbinders, stehen unter großem wirtschaftlichen Druck. Andere herkömmliche Tätigkeiten wie Telefonist oder Schreibkraft bieten heute oft nur dann noch eine Existenzgrundlage, wenn zusätzliche Aufgaben mit abgewickelt werden können. Es ist dringend erforderlich, für sehbehinderte Menschen neue Tätigkeitsfelder zu eröffnen. Hierbei können die neuen technischen Entwicklungen gute Dienste leisten.

Die Braillezeile am Computer erschließt auch dem Blinden den Zugang zu Daten und ihrer Verarbeitung. Gedruckte Texte können mit Hilfe von Scannern eingelesen und mit einem Brailledrucker in Blindenschrift ausgedruckt werden. Zusätzlich können Spracheingabe und Sprachausgabe genutzt werden. Den hochgradig Sehbehinderten stehen verbesserte Darstellungsmöglichkeiten größerer Monitore zur Verfügung. Außerdem gibt es mittlerweile Videolesegeräte, die über eine Videokamera z.B. Buchseiten aufnehmen und über Fernseher oder PC vergrößert und/oder als Auschnitt wiedergegeben werden können.

Trotz dieser technischen Fortschritte kann auf persönliche Hilfe nicht verzichtet werden. Bei manchen Tätigkeiten sind Vorlesekräfte unentbehrlich. Durch ein Mobilitätstraining kann zwar ein großes Maß an selbständiger Orientierung erreicht werden, Änderungen in der Arbeitsumgebung machen aber auch hier persönliche Unterstützung nötig. Besondere Berufsbildungs- und Berufsförderungswerke für Blinde und Sehbehinderte bieten Ausbildungen, Umschulungen und individuelle Bildungsmaßnahmen an. Die Rehaträger und die Hauptfürsorgestellen mit ihren Technischen Beratungsdiensten und Berufsbegleitenden Diensten arbeiten eng mit diesen Einrichtungen zusammen. Hier können neue Techniken erprobt und ihre Anwendung trainiert werden. Die Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation führen auch in neue Tätigkeitsfelder ein.

Damit Blinde und Sehbehinderte den beruflichen Anschluß nicht verlieren, besteht bundesweit die Möglichkeit an Fortbildungsmaßnahmen verschiedener Träger und Verbände teilzunehmen. Die Förderung beruflichen Fortkommens ist deshalb so wichtig, weil die Erwerbsbeteiligung von Blinden und hochgradig Sehbehinderten deutlich geringer ist als die der altersgleichen Gesamtbevölkerung und auch geringer als die anderer Behindertengruppen.

Auch bei optimaler Arbeitsplatzgestaltung bleiben Hilfen nötig. Sind Sehende im Umgang mit Blinden unsicher, sollten die Sehbehinderten selbst die notwendigen Hilfen offen ansprechen. Die Beschreibung einer neuen räumlichen Umgebung oder der Teilnehmer an einer Gesprächsrunde kann den Sehbehinderten die Orientierung wesentlich erleichtern.