Arteriosklerose ist die einengende Erkrankung der Arterien durch Ablagerungen an den Arterieninnenseiten, auf deren Basis sich Herzinfarkt, Schlaganfall und die arterielle Durchblutungsstörung der Beine abspielt. Sie ist somit die Grunderkrankung, die in den industrialisierten Ländern die Hälfte aller Todesfälle bedingt.

Von ihrem Wesen her ist Arteriosklerose eine fortschreitende Erkrankung, der rechtzeitig vorgebeugt werden muß (Erstprävention). Als besonders effektiv hat sich heute aber die Zweitprävention erwiesen, das heißt der Versuch, bei einem Menschen mit bereits aufgetretenem Arterioskleroseleiden ein Fortschreiten der Erkrankung mit neuen Episoden zu verhindern. Damit wird die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob sich die Progression, das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit, durch therapeutische Maßnahmen aufhalten läßt. Theoretisch von großer Bedeutung ist auch die Frage, ob Gefäßverengungen durch Arteriosklerose bis zu einem gewissen Grade rückbildungsfähig sind, wenn die Risikofaktoren intensiv behandelt werden.

Bereits nach den Hungerperioden des ersten und zweiten Weltkriegs beobachteten Pathologen, daß weniger arteriosklerotische Veränderungen der Hauptschlagader zu sehen waren als zuvor. Sie konnten sich dies nur durch eine Rückbildung unter der extrem fettarmen Ernährung jener Zeit erklären. In den Sechzigerjahren gelang der wissenschaftliche Beweis an Nagetieren, daß experimentell erzeugte Arteriosklerose durch cholesterinsenkende Ernährung oder Medikamente rückbildungsfähig war. In den Siebzigerjahren gelang dieser experimentelle Nachweis auch bei Affen. Seit den Achzigerjahren macht man sich - einer Empfehlung des kalifornischen Kardiologen David Blankenhorn folgend - die seither häufiger mehrfach bei einem Menschen durchgeführten Koronarangiographien zunutze, den angiographischen Schweregrad einer koronaren Herzkrankheit unter verschiedenen Behandlungsformen im zeitlichen Verlauf zu untersuchen.

Blankenhorn hat 1987 eine solche große Studie an frühzeitig bypassoperierten Männern veröffentlicht, bei der das LDL-Cholesterin unter Diät und unter einer Kombination mit zwei Lipidsenkern um rund 40% gesenkt wurde. Er konnte nachweisen, daß es unter dieser Behandlung im Vergleich zu einer Kontrollgruppe innerhalb von zwei Jahren zu einer leichten Rückbildung arteriosklerotischer Veränderungen kam. In der Zwischenzeit ist in einer ganzen Reihe von Untersuchungen, die sich heute computergestützter Meßmethoden zur Auswertung der Koronarangiogramme bedienen, übereinstimmend nachgewiesen worden, daß sich das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen läßt und daß leichte Rückbildungen möglich sind. Als Behandlungsmethode erfolgreich erwiesen sich eine vegetarische Diät, streng vegetarische und extrem fettreduzierte Diät in Verbindung mit einem mäßigen körperlichen Training und Entspannungsübungen nach Ornish, fettarme Kost in Kombination mit einem regelmäßigen Ausdauertraining (Schuler in einer Heidelberger Untersuchung), eine cholesterinspiegelsenkende Darmoperation, die sogenannte Ileumbypassoperation sowie die LDL-Apharese, bei der in einem der Dialyse ähnlichen Verfahren LDL aus dem Blut entfernt wird. Medikamentöse Strategien waren die Behandlung mit sogenannten Anionenaustauschern, Nikotinsäure, Fenofibrat und den modernen Cholesterinsynthesehemmern Lovastatin, Simvastatin und Pravastatin.

Zusammen mit den Ergebnissen der heute vorliegenden Überlebensstudien", bei denen bei bekannter oder drohender koronarer Herzerkrankung durch eine Senkung des Cholesterinspiegels eine deutliche Risikosenkung nachgewiesen ist, sprechen die vorliegenden Erkenntnisse dafür, daß eine leichte Rückbildung arteriosklerosebedingter Gefäßeinengungen möglich und das Fortschreiten der Erkrankung in mindestens der Hälfte der Fälle zu verhindern ist. Voraussetzung dafür ist aber eine intensive und ausreichend lange Cholesterinsenkung, am besten in Verbindung mit der konsequenten Behandlung anderer Risikofaktoren. Hochgradige Gefäßeinengungen bedürfen aber weiterhin - wenn immer möglich und sinnvoll - der bewährten Behandlung mittels Ballonkatheter oder Bypasschirurgie.