Depressionen
Symptome
Jeder Mensch hat zuweilen ein Stimmungstief. Aus Erfahrung weiß man aber: Das Tief geht vorbei. Wenn sich eine solche Stimmungslage jedoch nicht mehr von selbst normalisiert, kann es zu einer ernstzunehmenden behandlungsbedürftigen Erkrankung kommen. Der Arzt spricht hier von einer Depression. Diese Erkrankung tritt in der heutigen, überaus hektischen Zeit sehr häufig auf. Es handelt sich hierbei um eine Störung des Nervenstoffwechsels, die behandelbar ist. Es besteht kein Grund zur Sorge, dass Sie Ihre geistigen Fähigkeiten oder Wahrnehmungs- und Orientierungsfähigkeiten verlieren.
Haben Sie keine Scheu, offen mit einem Arzt, Ihrer Familie oder Freunden über Ihre Beschwerden und Probleme zu reden. Sie sind damit nicht allein.
Es gibt eine Reihe seelischer und körperlicher Anzeichen, welche auf eine Depression hinweisen. Aber nicht alle Beschwerden treten bei jedem Menschen gleich stark auf.
Anzeichen für eine Depression:
Oft fehlt ohne ersichtlichen Grund der Schwung und die Kraft wie in gesunden Tagen. Alles fällt schwer, nichts geht so leicht von der Hand wie sonst, die Stimmung ist gedrückt.
Oft findet der Kranke keinen Schlaf, obwohl er sich müde fühlt. Der eine kann nur schwer einschlafen. Der andere wacht nachts öfter auf.
Der Dritte wird ungewöhnlich früh wach. Deshalb fühlen sich alle oft morgens unausgeruht und glauben, überhaupt nicht geschlafen zu haben.
Folgende körperliche Beschwerden können auftreten:
Kopfschmerzen
Nackenschmerzen
Kreuzschmerzen
Druck- und Engegefühl in der Herzgegend
Schwindel
Kreislaufstörungen
Magen- und Darmbeschwerden
verminderter Appetit
vermindertes sexuelles Verlangen
Meist sind diese Beschwerden mit einer allgemeinen körperlichen Erschöpfung verbunden.
Der Depressive sondert sich ab, die Familie wird vernachlässigt. Die folgenden Verhaltensweisen können Ausdruck einer Depression sein:
Der Depressive kann sich an nichts mehr richtig freuen, er verliert das Interesse an Dingen, die Ihm früher Freude bereiteten. Die Beziehung zu seiner Umwelt verändert sich. Die Familie wird vernachlässigt, Freundschaften werden aufgegeben.
Der seelisch verstimmte Mensch sieht alles schwarz, er ist mutlos und niedergeschlagen. Der Erkrankte sieht die positiven Seiten seines Lebens nicht mehr.
Die Zukunft erscheint dem Patienten hoffnungslos, und er hat Angst vor dem Kommenden.
Der Kranke sucht nach einer Erklärung für seine hoffnungslose Lage. Er sucht die Schuld bei sich. Er fühlt sich als Versager und ist unfähig, seinen Pflichten nachzukommen, obwohl er es will.
Sie sehen, dass sich Ihre Erkrankung nicht nur in seelischen Beschwerden äußern kann, sondern auch in körperlichen Beschwerden meist sogar in beiden Bereichen.
Deshalb: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über alle Veränderungen, die Sie an sich beobachten. Je besser der Arzt Ihre Beschwerden versteht, desto erfolgreicher wird er Sie behandeln können.
Ursachen
Eine Depression ist eine echte und ernstzunehmende Erkrankung. Der gebräuchliche Begriff, wonach nur "wirklich" krank ist, wer irgendein körperliches Leiden aufweist, ist schon lange nicht mehr gültig. Auch die Seele eines Menschen kann krank werden.
Was ist passiert?
Das seelische Gleichgewicht ist abhängig von komplizierten Vorgängen in allen Bereichen des Körpers bis hin zur kleinsten Nervenzelle. Die Abstimmung aller Abläufe erfolgt im vegetativen Nervensystem. Es steuert selbständig das Arbeiten von Lunge, Magen, Verdauung und auch die Herz- und Kreislauftätigkeit. Es ist im allgemeinen vom Willen nicht steuerbar.
Bei Überanstrengung und Aufregung kann es zu überschießenden Reaktionen kommen. Auch Sie haben sicher schon solche Reaktionen erlebt: Lampenfieber, Herzklopfen, aber auch das "Nicht-abschalten-können". Wenn nun das vegetative Nervensystem durch Dauerbelastung und Stress überfordert wird, kann es zu einer Erschöpfungsreaktion kommen. Sie äußert sich in Müdigkeit und Schwunglosigkeit, aber auch in körperlichen Beschwerden wie z.B. Kopfschmerzen, Magenschmerzen und Herzschmerzen.
Diese Störung des vegetativen Nervensystems muss behoben werden. Ist sie erst einmal erkannt, kann sie vom Arzt behandelt werden. Eine "seelische Grippe" ist heilbar.
Es gibt viele Auslöser für eine Depression:
Schicksalsschläge und schmerzliche Ereignisse wie Enttäuschungen in der Liebe, der Tod eines nahestehenden Menschen, Verlust einer beruflichen Stellung, Kränkung und Zurücksetzungen all das kann der Grund für eine Depression sein.
Jahrelange berufliche Überforderung oder ein ständiges Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit können zu einer Erschöpfungsreaktion führen. Aber auch ständige Streitigkeiten in Ehe und Partnerschaft können eine Depression zur Folge haben. Umgekehrt kann eine zu geringe Inanspruchnahme der eigenen Leistungsfähigkeit, ein Leben in körperlicher und geistiger Untätigkeit, depressive Reaktionen auslösen. Die Unterforderung oder das Nicht-mehr-Gebrauchtwerden, lösen bei älteren Menschen, nachdem sie pensioniert worden sind, oft Depressionen aus.
Schwere Herz- und Kreislauferkrankungen sowie körperliche Behinderungen durch Unfälle können ebenso zu depressiven Zuständen führen, wie chronische Schmerzen (z.B. Magengeschwüre und Rückenschmerzen). Auch hormonelle Umstellungen des Körpers in der Pubertät oder in den Wechseljahren können zu Depressionen führen.
Häufig ist festzustellen, daß bei Patienten mit Depression bereits früher in der Familie Depressionserkrankungen vorkamen. Hier liegt eine Veranlagung für diese Erkrankung vor.
Behandlung
Die Depression ist behandelbar. Es gibt eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, und für nahezu jeden Patienten kann eine wirksame Behandlung gefunden werden.
Die Depressionsbehandlung umfaßt folgende Möglichkeiten:
Die Wahl der Behandlung richtet sich nach dem Verlauf und dem Schweregrad der Depression.
Was können Sie selbst zur Heilung tun?
Es ist sehr wichtig, dass Sie das vom Arzt verordnete Medikament regelmäßig einnehmen, und die Ratschläge des Arztes für Ihre Lebensführung beachten.
Nur selten verläuft eine Heilung ohne Auf und Ab der Beschwerden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt immer wieder über Ihr Befinden. Allein schon das vertrauensvolle Gespräch kann helfen, mit der seelischen Verstimmung fertig zu werden.
"Sich-aussprechen-können" ist oft der Anfang einer Genesung. Haben Sie Geduld mit sich selbst, und freuen Sie sich auch über kleine Besserungsschritte.
Streben Sie in allen Lebensbereichen ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit, von Anstrengung und Erholung an. Stellen Sie sich darauf ein, daß Sie während Ihrer Krankheit nicht so leistungsfähig sind, wie in gesunden Tagen. Treten Sie ruhig etwas kürzer. Niemand kann immer und überall Höchstleistungen vollbringen. Erholungsphasen und Freizeit sind notwendig. Nur so können Sie auf Dauer den Anforderungen von Beruf und Familie gewachsen sein.
Was können Sie tun, wenn es Ihnen wieder besser geht?
Wenn sich im Laufe der Behandlung Ihre Beschwerden bessern, werden Sie sich wieder leistungsfähig fühlen. Überstürzen Sie jedoch nichts.
Folgende Ratschläge helfen Ihnen, keinen Rückschlag zu erleiden:
Finden Sie Ihre altersgemäße Leistungsgrenze!
Erfolg im Beruf, gesellschaftliches Ansehen, gesteigertes Einkommen und hoher Lebensstandard sind verständliche Ziele. Wenn die ehrgeizigen Vorhaben aber mit körperlichen Schäden bezahlt werden müssen, sind sie zu teuer erkauft. Niemand will Ihnen empfehlen, es sich in Zukunft im Lehnstuhl bequem zu machen und jede Anstrengung zu vermeiden. Aber jeder Mensch hat seine individuelle Leistungsgrenze, die er auf Dauer nicht ungestraft überschreiten kann. Genauso wenig aber ist es zu empfehlen, die eigene Leistungsfähigkeit zu unterfordern. Auch ein Leben ohne geistige oder körperliche Herausforderung kann zu Depressionen führen.
Lachen Sie!
Achten Sie einmal darauf, bei welchen Gelegenheiten Sie sich besonders aufregen. Und dann prüfen Sie einmal selbstkritisch, ob sich diese Aufregung lohnt. Lernen Sie, bewusst zu lächeln und sich zu freuen.
Ein erkanntes Übel ist bekanntlich nur noch halb so schlimm. Lachen Sie einmal über sich selbst, wenn Sie sich beim gewohnheitsmäßigen Aufregen ertappt haben. Man kann eine gelassenere Einstellung zu den Ereignissen seiner näheren und weiteren Umgebung üben.
Beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit!
Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Denken Sie an sportliche Aktivitäten wie Wandern, Gymnastik, Schwimmen, Radfahren oder Ballspiele. Eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung als Ausgleich zu beruflicher Tätigkeit ist wichtig für das körperliche und geistige Wohlbefinden.
Medikamentöse Behandlung
Medikation (Antidepressiva)
Entsprechend dem wissenschaftlichen Kenntnisstand zeigen 60 bis 70% der ambulant mit Antidepressiva behandelten, depressiven Patienten eine deutliche Verbesserung der depressiven Symptome innerhalb von 6 Wochen. Mittelgradige und schwere Depressionen sollten in jedem Fall mit Antidepressiva behandelt werden.
Wenn Arzt und Patient sich für eine medikamentöse Behandlung entschieden haben, wird nach den Besonderheiten des Einzelfalles ein geeignetes Antidepressivum gewählt, um den Behandlungsnutzen zu optimieren und das Risiko zu verringern.
Dabei werden in der Regel folgende Faktoren berücksichtigt:
Wie hilft Ihnen das verordnete Medikament?
Durch die Einnahme des Medikaments wird der gestörte Nervenstoffwechsel wieder ins Gleichgewicht gebracht. Befinden und Stimmung bessern sich.
Sie dürfen nun jedoch nicht erwarten, daß bereits nach der ersten Tabletteneinnahme alle Beschwerden schlagartig verschwinden. Der Körper muß sich allmählich auf das Medikament einstellen. Der gestörte Nervenstoffwechsel kann nicht von heute auf morgen wieder ausgeglichen werden.
Wenn Sie nach etwa zwei bis drei Wochen Behandlung (es kann aber auch länger dauern) deutlich spüren, dass die Beschwerden nachgelassen haben und Sie beginnen, sich wieder wohl zufühlen, dürfen Sie zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall die vom Arzt verordnete Dosis des Medikaments verringern oder gar die Einnahme ganz beenden.
Um das wiederhergestellte Gleichgewicht im Nervenstoffwechsel zu festigen und auf Dauer zu erhalten, ist eine ausreichend lange Einnahme des Medikaments erforderlich. Über die Dauer der Behandlung kann nur der Arzt entscheiden.
Psychotherapeutische Behandlung
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die Wirksamkeit von verschiedenen Formen der Kurzzeit-Psychotherapie (kognitive, interpersonelle oder Verhaltenstherapie) bei leichten (oder mäßigen) Depressionen. Andere Formen der Psychotherapie können ebenfalls hilfreich in der Behandlung der Depression sein, obwohl ihre Wirksamkeit - wenn überhaupt - nur unvollständig belegt wurde.
Eine Psychotherapie erfordert die Verfügbarkeit eines erfahrenen Spezialisten, wie z.B. eines Psychiaters oder Psychologen.
Kombinationsbehandlung
Eine Kombinationsbehandlung (medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung) wird in Betracht gezogen werden bei:
Ablauf der Behandlung
Die Behandlung der Depression besteht aus drei Phasen:
Die akute Behandlung (6 bis 12 Wochen) ist auf die Rückbildung der Symptome gerichtet.
Die Erhaltungstherapie (4 bis 9 Monate) ist auf die Vermeidung eines Rückfalls gerichtet.
Die prophylaktische Behandlung ist auf die Prävention von erneuten depressiven Episoden bei Patienten mit vorausgegangenen Episoden gerichtet. Nur eine prophylaktische (medikamentöse) Behandlung kann neue Episoden verhindern.
Eine konsequente antidepressive Behandlung ist daher eine längerfristige und sollte nach heutigem Standard mindestens ein halbes Jahr über die Symptomfreiheit hinaus durchgeführt werden. Hier sind die Erwartungen von Betroffenen und deren Angehörigen häufig unrealistisch kurz gegriffen.
... und was, wenn es besser geht?
Wenn der Patient auf die Akutbehandlung mit Antidepressiva angesprochen hat, ist eine Erhaltungstherapie in vielen Fällen sinnvoll. Ziel der Erhaltungstherapie ist die Vorbeugung gegen ein erneutes Auftreten der vorausgegangenen Episode (Rückfall). Die Dosierung entspricht dabei der der Akutbehandlung.
... und dann, wenn es gut geht?
In einigen Fällen (z.B Patienten, die bereits drei vorausgegangene depressive Episoden aufweisen) wird eine prophylaktische Behandlung in Erwägung gezogen werden. Ziel der prophylaktischen Behandlung ist die Verhinderung eines erneuten Auftretens einer typischen (major) depressiven Episode. Die Wirksamkeit einer prophylaktischen Behandlung im Hinblick auf zukünftige Episoden ist eindeutig nur für eine medikamentöse Behandlung belegt worden.
... und das Wichtigste!
Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt.
Basierend auf:
Depression Guideline Panel. Depression in Primary Care: Detection, Diagnosis and Treatment. Quick Reference Guide for Clinicians. Number 5. Rockville, MD. U.S. Department of Health and Human Services, Public Health Service, Agency for Health Care Policy and Research. AHCPR Publication No 93-0552. April 1993.