Beim Morbus Whipple handelt es sich um eine chronische Infektion des Dünndarms und meist auch weiterer Organe, die durch das Bakterium Tropheryma whippelii hervorgerufen wird. Ihr Name geht auf den amerikanischen Pathologen George Whipple zurück, der die Erkrankung im Jahre 1907 als erster beschrieben hat. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 30 Neuerkrankungen festgestellt. Meist leiden die Betroffenen an unspezifischen Beschwerden wie chronischem Durchfall, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust. Seltener, wenn auch das Gehirn befallen ist, klagen sie über Doppelbilder, Vergesslichkeit oder Schlaflosigkeit. (Die Erkrankung wurde vor zwei Jahren über Fachkreise hinaus durch einen Patienten in der Freiburger Universitätsklinik bekannt, der mehrere Wochen lang nicht schlafen konnte.)
Die Patienten infizieren sich wahrscheinlich über den Mund; ihre Infektionsquelle ist nicht bekannt. Die Bakterien wandern in den Dünndarm und dringen in seine Schleimhaut ein. Über die anatomischen Lymphgefäße gelangen sie in den Blutkreislauf und können weitere Organe besiedeln, einschließlich des Gehirns. Bis zu 20 Jahre später kann es zu tödlichen Komplikationen durch Befall des Herzens oder des Gehirns kommen. Merkwürdigerweise ist der Morbus Whipple viel häufiger bei Männern als bei Frauen (Verhältnis 8:1).
Eine zuverlässige Diagnose kann bislang nur der Pathologe anhand einer Dünndarmschleimhautprobe unter dem Mikroskop stellen. Seit 1992 ist es auch möglich, kleine Teile eines Gens des Whipple-Bakteriums in Untersuchungsproben nachzuweisen. Dr. von Herbay und Dr. Maiwald entwickelten einen diagnostischen Test, der inzwischen weltweit angewendet wird. Seit 1997 nehmen die Heidelberger Spezialisten im Auftrag des Robert-Koch-Instituts in Berlin die Funktion eines Nationalen Referenzzentrums für das Whipple-Bakterium wahr. Bislang konnten sie pathologische und molekularbiologische Untersuchungen bei mehr als 150 Patienten mit einem Morbus Whipple durchführen.